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Theater

 

DANCE ON ist nicht weniger als eines der ungewöhnlichsten Tanzprojekte der vergangenen Jahrzehnte. Ungewöhnlich, weil es die festgefügten Grenzen tänzerischer Aktivität gesprengt und die Sicht auf Tanz und Alter verändert hat. In der ersten Zwischenbilanz, für die Madeline Ritter uns engagiert hat, haben wir Blicke von innen, von außen und aus der Ferne auf die Arbeit des Ensembles und des dahinter stehenden Teams von Diehl + Ritter geworfen. Wir zeigen, was bislang erreicht wurde und was weiterhin auf der Agenda steht. Im Zentrum steht dabei natürlich das Werk, also die zwölf geschaffenen Inszenierungen des DANCE ON ENSEMBLES, die Tine Fetz kongenial in einem Parcours als Comic umgesetzt hat.

Hans Georg und Katrin Hiller von Gaertringen und Barbara Schindler

Die Publikation (dt./en.) erscheint anlässlich des DANCE ON-Festivals Out of Now im HAU Hebbel am Ufer Berlin, 28.2. bis 4.3.2018

 

Der Blick der Tosca, Foto Jörg Landsberg

Der Blick der Tosca, Foto Jörg Landsberg

Am 4. Mai 2014 hat die nächste Regiearbeit von Anna-Sophie Mahler am Theater Bremen Premiere: „Der Blick der Tosca“.

Erinnerung ist Konstruktionsarbeit. „Nur der Kunst lebte ich und der Liebe“, behauptet Tosca und verzweifelt dann: „Warum, o Herr, dankst du mir das so?“ In Puccinis Oper stellt sich für Tosca die Frage, wieso sie, die sich nie um Politik geschert hat, in eine lebensbedrohliche revolutionäre Situation geraten kann. Kurz darauf ersticht sie den römischen Polizeichef. Ausgehend von Toscas „Vissi d’arte“ befasst sich Anna-Sophie Mahler in einem musikalisch-theatralischen Projekt mit der Frage, wie wir unser Leben in der Erinnerung konstruieren. Diese Frage hat sie Bremer Seniorinnen und Senioren gestellt – einem hohen Polizeibeamten, einem Sänger, einem Bürgerrechtler u.a.. Mit Hilfe des dokumentarischem Materials, das Mahler aus diesen Interviews generiert hat, nähert sich die Regisseurin mit vier Schauspielern den zentralen Figuren der Oper von Puccini.

Besetzung: Annemaaike Bakker, Peter Fasching, Johannes Scheffler, Matthieu Svetchine, Bendix Dethleffsen
Regie: Anna-Sophie Mahler
Musikalische Leitung: Bendix Dethleffsen
Ausstattung: Katrin Connan
Licht: Christian Kemmetmüller
Dramaturgie: Katinka Deecke

Premiere am 4. Mai 2014 um 18.30 Uhr, weitere Vorstellungen am 17. und 31. Mai sowie 4., 6. und 12. Juni jeweils 20 Uhr.
http://www.theaterbremen.de

CROSSING IDENTITIES — BEGINNERS, EXPERTS, HYBRIDS
URBAN NOMADS // MONGOL CITIZENS // FESTIVAL BERLIN 2014 vom 13. bis 15. Juni 2014 im Radialsystem V Ausstellung und Outdoorparcours ab 8. Juni 2014

Urban_Nomads_LogoDas Festival mit begleitender Ausstellung und Konferenz informiert über Kunst, Kultur und sozialen Wandel in der Mongolei. Mongolisch-deutsch-internationale Künstlerteams setzen sich mit der urbanen und sozialen Realität Ulan Bators und Berlins, Fragen des mongolischen kulturellen Erbes und der Identität moderner Großstadt-Nomaden auseinander. Präsentiert wird UNESCO-geschützte traditionelle mongolische Kunst und Kultur – Khöömii, Urtyn Duu, Morin huur, Biyelgee – im Dialog mit experimentellen, zeitgenössischen Kunstformen: Performance, Installationen, öffentliche Workshops, Live-Musik und Gesang, DJ-Sets, Tanz, Fotografie und Filmvorführungen.

Mit: Domog Folk Band, Ulrike Ottinger, Hosoo und Transmongolia, Iris ter Shiphorst, Z. Uyanga, Jens Rötzsch, Enkhgerel Dash-Yaichil, Uros Rojko, Ensemble Egschiglen, Benj Binx, Quiza, Dickson Dee, Enkhtaivan Ochirbat, Claudia Heu, G. Amarsanaa, Gerhard Fillei, Tsendpurev Tsegmid, Ole Frahm, Gereltuya Batjargal, Corinna Bethge, Sergelen, Claudia Schink, Dashtsermaa Tserenpil, Berit Schuck, Gandulam Ulziinorov, Ursula Werdenberg, Ch. Khoroldorj, Sven Zellner, Bayarmaa Munkhbayar, Mareike Günsche, Hanna Salzer, Rudi Fink, Antshi von Moos, Shinee Gunbileg, Katharina Winkler, O’Neill de Tyrone, Uisenma Borchu, Philip Hallay, Christian Spieß, Temujin & Temulin, Mitchell Joachim, Alexander Branczyk, Lars Harmsen und Oliver Langbein mit Studierenden der FH Dortmund u.v.a.

http://www.facebook.com/urbannomads

Das Festival wird veranstaltet von URBAN NOMADS // MONGOL CITIZENS c/o Zentrum Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts e.V. (ITI) und findet im Rahmen des Jubiläums „40 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen der Mongolei und der Bundesrepublik Deutschland“ statt, unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.

Ars Vivendi

Ars vivendi, die zweite Zusammenarbeit der Basler Theatergruppe CapriConnection mit der Hochschule für alte Musik, stellt Helden der Lebenskunst vor.

Von der Kunst des Sterbens zur Kunst des Lebens: Nach ihrem erfolgreichen Musiktheater Ars moriendi, wenden sich CapriConnection & Schola Cantorum Basiliensis nun einer lebensbejahenderen Produktion zu. In Ars vivendi geht es um die Suche nach Glück. Dass diese in Zeiten von Burnout und Quarterlife-Krisen nicht so einfach ist, darüber sind sich die Suchenden schnell einig. Zuflucht bietet der Gruppe Ausgebrannter ein Stück unberührte Natur, das die Leidenschaften jedoch umso heftiger zutage treten lässt. Wie schon im Vorgängerstück trifft bei Ars moriendi der philosophische Diskurs auf Barockmusik und bietet einen interessanten Kontrast: Interviews mit Lebenskunst-Experten bilden die szenische Grundlage, frühbarocke Kompositionen Monteverdis die musikalische. Und die unvergleichliche Musik macht letztendlich allen klar: Das Glück liegt auch in der Präsenz des Augenblicks, in dem sich Schmerz und Lust in der Erfahrung des Noch-am-Leben-Seins vereinen.
Regie: Anna-Sophie Mahler / Musikalische Leitung: Anthony Rooley / Dramaturgie, Produktion: Boris Brüderlin / Bühne: Duri Bischoff / Kostüme: Mirjam Egli / Licht: Brigitte Dubach
Von und mit: Susanne Abelein, HansJürg Müller, Ursula Reiter, Peter Zumstein. Gesang: Regina Dahlen, Jenny Högström, Lior Leibovici, Tiago Mota, Mathias Spoerry, Maria Weber / Orgel, Cembalo: Joan Boronat Sanz / Laute: Ziv Braha. Musik von Monteverdi, Orazio Vecchi, Carlo Gesualdo und Luzzasco Luzzaschi.
Nach Stationen in Leipzig (euro-szene), Zürich (Gessnerallee), Baden (Kurtheater) gastiert Capri Connection in Berlin im HAU Hebbel am Ufer: 28. Februar und 1. März 2014 (je 20 Uhr). Tel. +49 30 259 004 27

Orlando2(c) Jörg Landgraf

Zum zweiten Mal inszeniert die Musiktheaterregisseurin Anna-Sophie Mahler eine Oper am Theater Bremen. Nach Janacek nun Vivaldi’s „Orlando furioso“.

Orlando will von der realen Welt nichts wissen. Als Verwandter Don Quichottes baut er sich Luftschlösser, lebt die Literatur als Glaubensbekenntnis. Auch die Liebe, die Angelica heißt, aber jeden Namen tragen könnte, setzt er absolut. Als Orlando erfährt, dass Angelica heimlich Medoro heiratet, bricht das Niemandsland in seinen Geist. Im Wahnsinn zerstört er alles, woraus seine Welt bestand.

Über Jahre hinweg beschäftigte sich Antonio Vivaldi mit Ariosts Epos Der rasende Roland. Bereits 1713 vertonte er eine erste Version, die jedoch beim Publikum durchfiel, woraufhin er das Werk in neuen Fassungen zu Orlando furioso überarbeitete, zuletzt 1727. „Wenn diese nicht gefällt, will ich keine Musik mehr schreiben“, vermerkte er am Rand der Partitur. Tatsächlich gelang ihm eines seiner besten Werke, das insbesondere in den Wahnsinnsszenen musikalische Welten öffnet, die in ihrer Radikalität den Bogen zum zerrissenen und verzweifelt das gute Ende suchenden Subjekt der Moderne schlagen.

„Orlando Furioso ist eine Oper über die verschiedenste Formen der Liebe und über die Sehnsucht, in der Liebe Ruhe zu finden und der damit verbundene verzweifelte Versuch der eigenen Einsamkeit zu entfliehen. Über das Zerstören eigens aufgebauter Illusionen und die schmerzhafte bis in den Wahnsinn führende Konfrontation mit der Realität. Der Stoff ist zeitlos und hoch aktuell.“ (Mahler)

Orlando furioso. Oper in drei Akten von Antonio Vivaldi. Text von Grazio Braccioli nach Ludovico Ariost. Mit: Christoph Heinrich, Hyojong Kim, Martin Kronthaler, Marysol Schalit/Cristina Piccardi, Alexandra Scherrmann, Nadja Stefanoff, Patrick Zielke. Musikalische Leitung: Olof Boman. Regie: Anna-Sophie Mahler. Bühne: Duri Bischoff. Kostüme: Geraldine Arnold. Licht: Christopher Moos. Dramaturgie: Sylvia Roth.
Premiere 12. Oktober im Theater Bremen am Goetheplatz. Die letzte Vorstellung war am 25. Dezember 2013.

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EIN TAG MIT heißt ein neues Format der Berliner Festspiele, das sie zusammen mit der ZEIT-Stiftung entwickelt haben. Den Anfang macht am 13. Oktober 2013 Sibylle Berg, die uns einen Einblick in Ihren Kosmos ermöglichen wird.

Sie schreibt Theaterstücke, Romane, Kurzprosa, Songtexte, Kolumen, bearbeitet Hörstücke, inszeniert und unterrichtet online. Ein Artikel aus der taz hatte mich dazu veranlasst, den Kontakt zu Sibylle Berg zu knüpfen und sie als Gast vorzuschlagen. Das Stück beschreibt die Schmerzen, die entstehen, wenn man mit nur 60 Millionen Euro Urlaubskasse in St. Moritz auskommen muss.
EIN TAG MIT Sibylle Berg ist auch ein Tag mit Volker Beck, Matthias Brandt, Christian Brey, Thea Dorn, Carolin Emcke, Matthias Faust, Marco Goecke, Helene Hegemann, Sven Helbig, Wolfgang Höbel, Kaey, Johanna Maria Knothe, Nele Lindemann, Tina Lorenz, Annika Meier, Max Moor, Heta Multonen, Mary Ocher, Fabio Palombo, Katja Riemann, Olli Schulz, Spielmannszug Pankow, Stephan Urbach und Hackerarmee, Hasko Weber, Minna Wündrich und Elisabeth Zwieg.

Die Sache Makropulos

Die Musiktheaterregisseurin Anna-Sophie Mahler inszeniert am Theater Bremen „Die Sache Makropulos“. Die Oper in drei Akten von Leoš Janáček nach der gleichnamigen Komödie von Karel Čapek wird erstmals auf Deutsch aufgeführt.

Was interessiert Anna-Sophie Mahler an dieser Oper? Emilia Marty ist 337 Jahre alt und ihr gehen die Lebenskräfte aus. Eigentlich hängt sie nicht mehr am Leben, denn sie empfindet nur noch Leere und Einsamkeit. Allerdings hat sie wahnsinnige Angst vor dem Sterben und kann diesen letzten Schritt nicht tun. Sie tut alles dafür, ihr Leben nochmals zu verlängern. Am Ende der Oper will sie überraschenderweise aber doch den Tod. Und für diesen Moment, in dem sie sich entscheidet, ihr Leben zu beenden, schreibt Janáček so eine umwerfende Musik, dass dem Zuschauer schlagartig klar wird, wie besonders und schön dieses Leben ist. Das erinnert sehr an Schlingensief und den Titel seines Buches „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein.“ Emilia bringt das in ihrer letzten Ansprache mit den Worten auf den Punkt: „Ihr Narren, ihr seid so glücklich, weil ihr zufällig eines dürft, sterben, wenn die Zeit da ist.“Die Premiere von „Die Sache Makropulos“ war am 10. November 2012 um 19.30 Uhr im Theater Bremen am Goetheplatz Mit: Patricia Andress, Heiko Börner, Christian-Andreas Engelhardt, Lusine Ghazaryan, Hyojong Kim, Martin Kronthaler, Loren Lang, Annamária Melkovics-Fehér, Zoltan Melkovics, Martina Parkes, Mihai Zamfir. Chor des Theater Bremen. Es spielen die Bremer Philharmoniker. Musikalische Leitung: Clemens Heil. Regie: Anna-Sophie Mahler. Ausstattung: Katrin Connan, Sophie Krayer. Chor: Daniel Mayr. Licht: Christopher Moos. Dramaturgie: Ingo Gerlach. Die letzte Vorstellungen ist am 4. April 2013.

Pressestimmen (Auswahl):
Nordwest Zeitung, 12.11.2012
Der Opernfreund, 26.11.12
Radio Bremen, 11.11.2012

Kurz nachdem diese Neueinstudierung in Bremen Premiere hat, ist an der Deutschen Oper Berlin „Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna“ von Walter Braunfels in einer Wiederaufnahme der Inszenierung aus dem Jahre 2008 zu sehen. Musikalische Leitung: Matthias Foremny, Idee und Konzept: Christoph Schlingensief, Regieteam nach Aufzeichnungen von Christoph Schlingensief: Carl Hegemann und Anna-Sophie Mahler. Termine 16., 23., und 29. November 2012 jeweils 19.30 Uhr.

CV Anna-Sophie Mahler 

Musiktheaterregisseurin, 1979 in Kassel geboren, studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Von 2002-2004 arbeitet sie als Regieassistentin am Theater Basel. Später assistierte sie bei Christoph Marthaler und Christoph Schlingensief. 2008 realisierte sie zusammen mit Carl Hegemann und Sören Schumacher die Oper „ Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna“ von Walter Braunfels nach Aufzeichnungen von Christoph Schlingensief an der Deutschen Oper in Berlin.

Seit 2004 ist sie sowohl als Theater-, als auch als Opernregisseurin tätig. Sie inszenierte u. a. am Schauspielhaus Zürich, am Theater Basel, am Luzerner Theater, am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Nationaltheater Weimar, am Schauspielhaus Graz und am Theater Neumarkt in Zürich. 2006 gründete Sie ihre eigene freie Gruppe „CapriConnection“ in Basel, die sich durch die Verwebung von dokumentarischen Texten mit Musik und Szene einen Namen gemacht hat. 2011 wurde „CapriConnection“ mit ihrer Musiktheater Produktion „ars moriendi“ zum Theater Festival Impulse eingeladen.

Zuletzt inszenierte sie zwei Teile des 24-Stunden Marathons „Unendlicher Spass“  von David Foster Wallace am HAU in Berlin („Madame Psychosis“ mit Anne Ratte-Polle im Haus des Rundfunks und „Poor Tony Krause“ mit Damian Rebgetz im Fontane-Haus Reinickendorf) und diesen Herbst die Oper „Die Sache Makropulos“ von Leoš Janáček am Theater Bremen.